Ein Leben in Würde - bis zuletzt

Schon immer war Raphaela Händler von dem Friedensnobelpreisträger Albert Schweitzer fasziniert. Sie wollte auch Ärztin in Afrika werden. Noch während des Medizinstudiums fühlte sie sich von Gott gerufen, in die Gemeinschaft der Missions-Benediktinerinnen einzutreten und ihre Vision als Ordensschwester zu verwirklichen. 1969 begann sie voll Engagement und Tatkraft ihren Dienst als Ärztin in Afrika.

In den 80er Jahren sieht sie sich einem der dunkelsten Kapitel des schwarzen Kontinents gegenüber. Die bislang unbekannte Krankheit HIV/AIDS taucht auf. Besonders betroffen ist Namibia. Hier gründet sie – wie später auch in Tansania – die Hilfsorganisation „Catholic AIDS-Action“. Schnell wächst ihre Initiative in beiden Ländern zum größten Nicht-Regierungsprogramm gegen die tödliche Krankheit. Besonders die Waisen liegen Schwester Raphaela am Herzen. Viele sind zu klein, um zu verstehen, woran ihre Eltern gestorben sind. „Die Arbeit mit meinen Schützlingen fordert mich jeden Tag neu heraus und ich frage mich immer: Was ist der Wille Gottes? Gott schickt mir ja keinen Brief und auch keine SMS. Ich muss es selber herausfinden“, sagt sie.

Seit 2005 ist die Ärztin wieder in Tansania tätig, in ihrem Projekt UZINMA, das heißt „Fülle des Lebens", widmet sie sich einem besonders traurigen Kapitel. Hier werden 160 Kinder und ebenso viele Erwachsene im Endstadium ihrer Aids-Erkrankung betreut. Ungewöhnlich für die meisten afrikanischen Länder ist, dass dies nicht zuhause durch Angehörige geschieht. Aber die ungezählten Opfer haben über die Jahre die Kräfte der Familien, in denen oft nur die ganz Kleinen und die Alten überlebt haben, aufgezehrt.

Schwester Raphaela und ihr Team organisieren die häusliche Pflege der Schwerkranken, schulen Pflegekräfte und seelsorgliche Begleiter, die auch den Familien zur Seite stehen. Und sie sorgen dafür, dass Schmerzmittel da sind, die das letzte Leiden lindern. Palliativ-Medizin in Tansania – auch darin ist diese Ordensfrau eine weitsichtige Vorreiterin.

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